Unerwartete Anerkennung
18. April 2010
Vor ein paar Tagen hatte ich einen kleinen Grund, mit Jojo sauer zu sein. Er hatte eine Kleinigket vergessen, um die ich gebeten hatte. Dies stellte ich blöderweise zu einem ungünstigen Zeitpunkt fest: Morgens um halb sechs. Das Baby war wach und ich hatte beim Wickeln Gelegenheit, mich ausgiebig über die Vergesslichkeit des tief und friedlich schlafenden Mannes zu ärgern. Unterdessen begann der Wecker laut zu klingeln, was mich und das Baby störte, nicht aber den Adressaten des Gebimmels. Nach einiger Zeit hatte ich die Nase voll und wurde gemein.
Ich stellte dem friedlich schlummernden Mann den Wecker direkt vor die Nase. Direkt. Im selben Moment überkam mich schon das schlechte Gewissen: ich war gerade vollkommen bestürzt von meiner eigenen Schlechtigkeit, als Jojo die Augen noch kaum geöffnet, voller Anerkennung und mit einem Lächeln auf den Lippen sagte: “Mensch – Hightech, Nunni!” - Meine Wecktechnik war also auf Lob und Anerkennung gestoßen – wenn wohl auch nur in dem Traum, aus dem ich den armen Kerl so brutal gerissen hatte.
Morbus Hoppla
13. April 2010
In letzter Zeit wirkt die Schwerkraft besonders stark. Insbesondere auf die Dinge, die ich gerade in den Händen halte. Je leichter und fisseliger die Dinge sind, desto wahrscheinlicher ist es, das die Schwerkraft sie mir hinterrücks entreisst. Dazu der Eilefaktor: Je eiliger etwas ist, desto stärker die Anziehungskraft der Erde und der Absturtzquotient der Dinge in meinem Umfeld steigt exponentiell.
Mir ist natürlich klar, dass es nicht an der Schwerkraft liegen kann, wenn die kleinen Dinge, mit denen ich alltäglich beschäftigt bin, sich enervierend oft meinen Fingern entwinden und irgendwo landen, wo sie nichts zu suchen haben.
Mir ist weiterhin klar, das es dafür nur eine Erklärung gibt: Eine vorübergehende (hoffen wirs!) Koordinations- und Geschicklichkeitsmangelerscheinung. Ich nenne sie Morbus Hoppla.
Beispielsweise beim Tischdecken: Ich halte drei Messer in der Hand, die es zum Tisch zu transferieren gilt. Und plötzlich - Hoppla! Wenn ich Pech habe, dann hat Mila mich beobachtet; Dann wird sie mir mein Missgeschick dick aufs Brot schmieren: Sie wird zu Jojo rennen und im brühwarm erzählen: ” Mama Messe o-o!” . Sie wird ihre Oma anzurufen versuchen, um ihr die Neuigkeit zu berichten.
Vielleicht sollte ich einfach weniger arbeiten!
Babygurken
13. Januar 2010
Milas Leben steht Kopf: Sie hat einen Bruder. Ich für meinen Teil bin genau wie sie immer wieder überwältigt von diesem Umstand. Milas neue Lieblingsbeschäftigung ist nun also “Baby Gurken!”. Sie sagt “Baby gucken”, es klingt nur wie Babygurken und mit dieser Wendung will sie mir als Babybewacherin suggerieren, sie wolle ja nur gucken – aber eigentlich müsste es heißen: Baby küssen, umarmen, herumzerren, umziehen, wickeln, am liebsten alles auf einmal. Weil aber das Baby noch nicht robust genug für das volle Ausmaß Mila`scher Zuneigung ist, wird sie eben immer wieder angehalten, nur zu gucken.
Das Wort Gurken ist für Mila wohl ein Teekesselchen: Sie sagt nämlich auch zu Gurken Gurken. Allerdings auch hier wieder mit einem sehr weit gefassten Bedeutungsspektrum – sie sagt auch zu Möhren und Pilzen “Gurken”. In dem Fall dann am Essenstisch. Nicht Babygurken, sondern Neingurken. Mila will nämlich oft nicht so gern Möhren und Pilze essen.
Vom Delegieren
30. August 2009
Weil wir ja jetzt in einem schönen großen Haus wohnen, schreibe ich nur noch einmal pro Vierteljahr im Nunniversum. Mila würde sagen “Schade”. Ich finde es auch schade aber auf der anderen Seite sind wir mit Renovieren und lieb zueinander sein ganz und gar ausgelastet. Weil ich auch noch so dick geworden bin und mich deshalb auch mal schonen muss, komme ich dauernd in die Verlegenheit, Dinge delegieren zu müssen. Zum Beispiel schweres Tragen. Oder Inzwischen sogar Badewanne putzen. Da stört der Bauch. Meistens stosse ich auch vollstes Verständnis und muss schlimmstemfalls eine gewisse Geduld aufbringen, bis die delegierte Aufgabe auch erledigt wird. Aber darüber beklage ich mich nur manchmal.
Das heikle an der Sache ist, das man sich ans Delegieren sehr gewöhnen kann und unversehens Dinge delegiert, die man eigentlich auch selbst erledigen könnte. Oder es leidet der Stil: Da wird keine Bitte mehr formuliert, sondern es werden Tatsachen geschaffen, zum Beispiel: “Mila, Soll Jojo Dich heute ins Bett bringen?” – ich weiß ja, das die Antwort “ja ! cool! Jojo!” lauten wird. Letztgenannter macht bei solcher Gelegenheit immer ganz große Augen. Ist ja auch eine Frechheit- ich verstehe sehr gut, das er so was nicht leiden kann.
Aber das passiert mir hin und wieder einfach.
Es kursiert in meiner Familie folgende Geschichte: Erna und Luise, Zwei Kusinen meines Großvaters, Schwestern, haben Besuch. Der Besuch bleibt sehr lange. Erna und Luise sind müde und wollen ins Bett, irgendwann. Erna und Luise wohnen bedauerlicherweise im viersten Stock eine Altbaus, dessen Haustür um 20 Uhr vom Hauswart verschlossen wird. Als der Besuch an der Wohnungstür Abschied nehmen will, sagt Erna: “Kommt gut nachhause- Luise begleitet Euch noch runter” Daraufhin Luise zu Erna “Ick hau Dir gleich eins in die Fresse!”
Milana-Ha.
5. Juni 2009
Der aufmerksame Leser wird bereits wissen, dass es bisweilen ein schwieriges Unterfangen sein kann, Milana ins Bett zu bringen. Oft, besonders wenn sie sehr müde ist, protestiert sie mit einer für ihre Müdigkeit beeindruckenden Vehemenz. ” NEIN HA! DEE!!!” – das heisst so viel wie “ich möchte nicht schlafen gehen, lass mich in Ruhe!” Meistens ist sie Sekunden nach einem solchen Antischlafwutausbruch, noch bevor ihr Köpfchen das Kissen berührt, eingeschlafen.
Vor einer Woche etwa haben wir, die Großen, Milana zu zusammen ins Bett gebracht- in der irrigen Annahme das ihr dann der Abschied vom Tag leichter fallen könnte. Weit gefehlt, denn Milchens Protest richtete sich nun gegen und beide: Mama DEE! Jojo DEEEE!!” Heulend und schimpfend sass sie auf ihrem Bett und weigerte sich, einen Schlafanzug gegen ihre dreckverkrustete Tageskleidung einzutauschen.
Jojo versuchte, Mila zu beschwichtigen, indem er ihr einige aufmunternde Dinge sagte, frei nach dem Motto “morgen ist auch noch ein Tag”, wobei er seine Worte mit einer Geste untermalte, die wiederrum einen kleinen Bücherstapel ins Wanken und schließlich zu Fall brachte. Dieses Missgeschick provozierte in Milas Mienenspiel einen Wandel, den man mit dramatisch nur unzureichend beschreiben kann: Das kleine Wutverzerrte Fräzchen gefror, um in atemberaubender Geschwindigkeit einer munteren und unglaublich schadenfrohen Heiterkeit Platz zu machen. “Jojo: O-Ou!”. Jojo behauptet ja, diese Schadenfreude habe sie von mir geerbt. Ich finde das ein Bißchen viel gesagt.
Als Mila, um die Geschichte abzuschließen, genug gelacht hatte, standen wir alle ein Bißchen doof da. Ich war beeindruckt von Milas Launenwandel, Jojo musste selber sehr lachen und Mila war wieder eingefallen, das sie ja eigentlich sauer mit uns war. Zum Glück kam uns die Müdigkeit zu Hilfe, die Mila aufs Kissen zwang, auf dem sie, fast schon schlafend, leise und ganz sanft, wie um der Form genüge zu tun, noch einmal sagte: Mama, jojo dee.”
Ein Konto!
31. März 2009
Heute haben wir ein gemeinsames Konto eröffnet. Weil wir zusammen umziehen, zusammenziehen. Es gestaltete sich beinah ein Bißchen feierlich, ich kam mir zwar albern vor, aber ich war ganz ergriffen, es zu sehen: da standen unsere Namen und nur eine Adresse. Und dazu ein gemeinsames Konto. Romantik pur.
Der Bankberater, ein Mensch, der zwar Erfahrung zu haben schien, aber trotzdem wirkte wie Jemand, der den Startschuss nicht gehört hat, will unsere zukünftige Adresse wissen und ich beginne, ihm den recht verwegenen Straßennamen zu diktieren – sage also “Sieben(wie die Zahl) teile(also wie die Teile)weiler (also w-e-i-l-e-r)straße Nummer 25 b”
Er: Soll ich “Nummer” auch ausschreiben? Ich: “nein, nicht nötig” in dem Moment bemerkt er wie doof diese Frage war und versucht, sie zu überspielen. Ich senke den Blick und bin meinem Kontogatten neben mir wahnsinnig dankbar, dass er nicht lacht. Reiße mich noch ein paar Sekunden zusammen und als ich sicher bin, das es wirklich gar nicht so komisch ist, höre ich, wie er leise neben mir kichert. Da kann ich mich auch nicht mehrzusammenreißen und wie die Siebtklässler lachen wir den Bankmenschen aus.
Nach der Zeremonie waren wir doch sehr erleichtert, fast schon ausgelassen. Und es schien die Sonne und alles war ganz leicht. So witzig kann ein Konto sein.
Mila nah
10. März 2009
Mila kann mir manchmal sehr nah sein. Sie ist mir und auch anderen Menschen auf ihre sehr spezielle Art und Weise nah. Es ist schwer zu beschreiben, denn oft drückt Mila ihr Nähebedürfnis einfach durch sich-direkt-daneben-stellen aus. Ich kenne das inzwischen von ihr und weiß, wie schwierig es ist, noch etwas anderes zu tun, wenn Mila bei jedem Schritt, den man tut, immer genau neben einem zu stehen versucht.
Auf dem Spielplatz oder im Eiscafe macht Mila das gern mit anderen Kindern, die sie interressant findet. Sie stellt sich dazu. Meistens hat sie dabei drei Finger ihrer rechten Hand im Mund, an denen sie nuckelt, wenn sie auch sich selbst etwas näher sein möchte als sonnst. Wenn sie sich dann zu den spielenden Kindern stellt, die Finger im Mund und ihren undurchdringlichen Blick aufsetzt, dann sind die meisten Kinder erst einmal ein Bißchen irritiert. Weil Mila auch meist auf Fragen nicht antwortet, beginnen die Kinder nach kurzer Zeit, sie zu ignorieren. Andere Kinder setzen sie als Statist ein in ihrem Spiel. Manche kommen zu mir um zu fragen, warum sie so komisch guckt. Ich sage dann meistens “Sie ist einfach so. Ein Bißchen anders.”
Manchmal beobachte ich sie und dann werde ich bisweilen traurig und denke “Warum guckt sie nur so komisch?” Dann sage ich zu mir selbst: ” Sie ist einfach so. Anders. Und mir sehr nah.”
Die kleinen Freuden
16. Februar 2009
Mein aktuelles Bad ist sehr klein. Dusche, Klo, Waschbecken, Tür- sehr übersichtlich.
Manchmal möchte ich im Bad ganz gern ein Wenig allein sein. Dafür hat Mila oft kein rechtes Verständnis und darum schließe ich mich bisweilen ein, um sie davon abzuhalten, sich im sowieso schon engen Bad noch vor mich zu stellen und “Piiiepie!!” zu rufen. Wenn ich sie aber ausschließe, macht sie von außen das Licht aus, wogegen ich mich dann gar nicht wehren kann. Von außen höre ich nur unendlich schadenfrohes Gelächter in mein dunkles Verließ dringen. Durch den Spalt unter der Tür fällt ein wenig Licht von Flur herein. Und durch diesen Spalt steckt Mila manchmal ihre Fingerchen, um mich zu necken. Dann sieht man sie ein kleines Stück unter der Tür vorlucken – so zerbrechlich und vorlaut, so niedlich und klein und frech. Diese kleinen Mistfingerchen! was die schon alles angestellt haben! Und da kommen sie mal so ganz ohne Mila daher.
Einmal habe ich mich angeschlichen und habe ihre Fingerchen berührt, von Innen. Da hat sie sich fast totgelacht. So was ist für Mila das Aller-allerwitzigste.
Mit dem Strom schwimmen
29. Januar 2009
Ich habe mich in der letzten Woche mal so richtg im mainstream gesuhlt. Habe getan, was fast jeder getan hat in der letzten Zeit. Ich war Teil des Ganzen, ich war – wie alle. Endlich! Ich kann jetzt mitreden, denn:
Ich hatte ein Grippe. Fieber, Husten, Gliederschmerz, Vormittagsprogramm im Fernshen. Das Letztere war mit Abstand das schlimmste. Aber ich muss auch irgendwas daraus gelernt haben. Etwa, das auf dem meisten dritten Programmen von elf Uhr Vormittags bis in den Abend hinein Tiersendungen laufen. Ausschließlich Zootiere und deren Dialekt sprechende Pfleger.
Mehr habe ich nicht gelernt. Aber jetzt bin ich wieder gesund. Das ist ja auch was.
Nasse Socken
12. Januar 2009
Heute, beim Abendbrot, beschlossen Mila und ich das es Zeit für eine neue Frisur sei. Wir waren auf den verschlungenen Wegen unserer Mutter-kindlichen Kommunikation übereingekommen, dass etwas frisches, eine kleine Veränderung her musste. Jedenfalls fand ich das und Mila wirkte sehr einverstanden, als ich ihr vorschlug nach dem Essen Haare zu schneiden (ihre, versteht sich- ich war erst neulich beim Friseur).
Gesagt, getan: Mila hat sich nackig ausgezogen und ich holte die Schere. Mila bekam in dem Moment kalte Füßchen und sie versuchte mich abzulenken. In meiner gewohnten Manier immer alles gleichzeitig machen zu wollen, hatte ich in der Küche Teewasser aufgesetzt. Den Wasserkocher hörte man in dem Moment deutlich blubbern. Mila sah darin ihre Chance, mich von meinem Vorhaben wieder abzubringen: “Mama, Tee!?”
Wenig später wurde aus dem “Mama, Tee!?” schnell ein “!Mama DEH!!!” (wenn sie das sagt heißt das ich soll gehen. G kann sie noch nicht so gut sagen.) Offenbar hatte sie es sich noch einmal überlegt. Dafür war es aber zu spät. Sie hätte sehr schief ausgesehen, wäre ich an dieser Stelle in die Küche gegangen, um Tee zu trinken.
Das erklärte ich ihr und sie schien es einzusehen. Sie war nun sehr ruhig. Und war eine Premiere, denn normalerweise ringen wir immer während des Frisiervorganges, was nicht ungefährlich ist.
Weil sie sich so ruhig verhalten hat, konnte ich mit dem Schneiden einfach nicht wieder aufhören. Ich musste doch mein braves Kind auskosten- leider wird man Mila nun noch mehr für einen Jungen halten. Ist dann doch recht kurz geworden.
Beim unabwendbaren anschließenden Haarewaschen war Milas Widerstandsgeist wieder erwacht und wir rangen.
Dabei holte ich mir nasse Socken. Vier Stück, denn heute war ein Zweipaarwollsockenübereinadertragetag.

sieht doch ganz zufrieden aus.